Wenn ein Bundeskanzler behauptet, er gehöre zur Mittelschicht, dann horcht die Republik auf. Friedrich Merz hat genau das getan, und prompt entbrannte eine Debatte über sein Geld. Denn der Mann aus dem Sauerland zählt zu den wohlhabendsten Politikern des Landes.
Wer wissen will, was Merz verdient, muss zwei Dinge trennen: sein Gehalt als Regierungschef und sein privates Vermögen aus früheren Jahren. Beides zusammen ergibt ein Bild, das mit dem klassischen Beamtendasein wenig gemein hat und viele Menschen neugierig macht.
Wer ist Friedrich Merz überhaupt?
Geboren wurde der Politiker Joachim-Friedrich Martin Josef Merz am 11. November 1955 in Brilon in Nordrhein-Westfalen. Vom Juristen über den Wirtschaftsanwalt bis ins Kanzleramt führte ein langer Weg, der ihn zwischen Politik und freier Wirtschaft immer wieder hin- und herpendeln ließ.
Schon früh galt er als scharfer Redner und wirtschaftsnaher Denker. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften arbeitete er als Richter, wechselte dann in die Industrie und saß später für die CDU sowohl im Europäischen Parlament als auch im Deutschen Bundestag, wo er rasch aufstieg.
Nach seiner Wahl trat er ein hohes Amt an, allerdings nicht auf gewohntem Weg. CDU-Chef Merz wurde erst im zweiten Wahlgang zum Bundeskanzler gewählt, wo er 325 von 618 abgegebenen Stimmen erhielt. Zuvor war er im ersten Anlauf überraschend gescheitert, ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik.
Was verdient Merz als Bundeskanzler?
Die genaue Zahl ist überraschend gut belegt. Das monatliche Amtsgehalt des Kanzlers beträgt 20.675 Euro, außerdem bekommt er Zulagen und hat Einkünfte als Bundestagsabgeordneter. Dazu zählen ein Ortszuschlag und eine Dienstaufwandsentschädigung, die das Bundesministergesetz genau regelt und festschreibt.
Die Grundlage der Berechnung ist klar definiert. Das Amtsgehalt richtet sich nach dem Bundesministergesetz, wonach der Regierungschef grundsätzlich das 1,67-Fache des Grundgehalts der Besoldungsgruppe B11 erhält. Rechnet man alle Bestandteile zusammen, landet man bei einem stattlichen Betrag.
Über das Jahr gerechnet ergibt sich daraus ein Betrag von deutlich über 300.000 Euro brutto. Hinzu kommen Sachleistungen, die in keiner Gehaltsabrechnung auftauchen: eine Dienstwohnung, ein Fahrdienst und ein persönlicher Stab. Diese Vorteile lassen sich schwer in Zahlen fassen, sind aber erheblich.
Wie hoch ist sein Vermögen wirklich?
Hier verlassen wir das Feld der exakten Zahlen und betreten das der Schätzungen. Anders als beim Gehalt gibt es keine offizielle Pflicht, das Privatvermögen offenzulegen, weshalb sich Beobachter auf Berichte, frühere Angaben und bekannte Beteiligungen stützen müssen.
Wie reich Merz genau ist, lässt sich nicht auf den Euro sagen, ein offizielles Vermögensverzeichnis für Kanzler gibt es nicht, deshalb handelt es sich um Schätzungen; mehrere Medien und Finanzportale kommen 2026 auf einen Wert von etwa 12 Millionen Euro.
Andere Quellen fassen die Spanne bewusst weiter. Laut Interview-Heute wird das Vermögen auf 7 bis 15 Millionen Euro geschätzt, er selbst hat keine genaue Zahl genannt; es stammt vor allem aus Anwaltstätigkeit, BlackRock-Mandat und weiteren Aufsichtsratstätigkeiten. Einigkeit herrscht jedenfalls beim Grundsatz: reich, aber nicht offiziell dokumentiert.
Woher stammt das große Geld?
Der Grundstein wurde nicht in der Politik gelegt. Sein Geld hat Merz nicht in der Politik verdient, sondern in zwölf Jahren als Anwalt, Aufsichtsrat und Berater, weshalb das Vermögenmagazin sein Privatvermögen auf rund 12 Millionen Euro schätzt. Diese Doppelrolle zwischen Kanzlei und Konzern machte ihn wohlhabend.
Nach seinem Rückzug aus der ersten Reihe der Politik in den frühen Zweitausenderjahren stieg er in gut bezahlte Positionen der Wirtschaft ein. Diese Phase außerhalb des Bundestags war es, die aus einem gut verdienenden Juristen einen echten Millionär werden ließ.
Seine Mandatsliste liest sich wie ein Who-is-Who der Wirtschaft. Laut allevermoegen.de nutzte er seine Kontakte für lukrative Aufsichtsratsmandate, etwa bei BlackRock, der Commerzbank, HSBC Trinkaus und der Wepa Industrieholding. Besonders das Mandat beim Vermögensverwalter BlackRock prägte sein öffentliches Bild nachhaltig.
Investments, Immobilien und ein eigenes Flugzeug
Ein Teil des Geldes steckt in Wertpapieren. Laut ftd.de investierte Merz früh in Aktien, darunter der Schweizer Zughersteller Stadler Rail, und beim Börsengang 2019 hielt er Anteile im Wert von 5,5 Millionen Euro. Solche Beteiligungen zeigen, dass er sein Vermögen aktiv am Kapitalmarkt anlegte.
Auch Beton und Grundbesitz spielen eine Rolle. Laut ftd.de steckt ein bedeutender Teil in Immobilien, darunter ein Wohnhaus im Sauerland als Hauptwohnsitz und ein Ferienhaus am Tegernsee, wobei der Gesamtwert seiner Immobilien auf rund 5 Millionen Euro geschätzt wird. Der Tegernsee zählt zu den teuersten Regionen Deutschlands.
Am meisten Aufsehen erregt jedoch sein Hobby in der Luft. Merz ist für seine Leidenschaft für Flugzeuge bekannt, sein wohl exklusivstes Fortbewegungsmittel ist eine Diamond DA62, ein zweimotoriges Leichtflugzeug, das er selbst fliegt. Kaum ein Detail unterstreicht seinen Wohlstand so anschaulich wie diese Maschine.
Warum die Debatte um seine Mittelschicht so hitzig ist
Die Aussage, er gehöre zur oberen Mittelschicht, sorgte für Kopfschütteln. Für die meisten Menschen liegt ein zweistelliges Millionenvermögen und ein Privatflugzeug weit jenseits dessen, was Mittelschicht bedeutet. Kritiker sahen darin ein Zeichen mangelnder Bodenhaftung, Anhänger dagegen eine Frage der Definition.
Dass gerade dieser Punkt so viel Aufmerksamkeit bekam, hat einen tieferen Grund. In einer Gesellschaft, in der Wohnen und Lebenshaltung teurer werden, wirken Aussagen über Wohlstand schnell wie ein Nerv, den man trifft. Die Diskussion sagt daher oft mehr über die Stimmung im Land aus als über Merz selbst.
Verteidiger führen ins Feld, dass Merz statistisch gesehen nicht ganz falsch liegt, wenn man Mittelschicht am Einkommen und nicht am Vermögen misst. Trotzdem zeigt der Streit, wie unterschiedlich Menschen den Begriff verstehen und wie leicht ein solcher Satz zur politischen Angriffsfläche wird.
Wie schlägt sich Merz im internationalen Vergleich?
Weltweit betrachtet gehört sein Gehalt zur Spitze. Laut WirtschaftsWoche verdient Merz mit umgerechnet rund 384.000 US-Dollar im Jahr mehr Geld als die meisten anderen Regierungschefs der Welt. Damit reiht er sich in eine kleine Gruppe besonders gut bezahlter Staatslenker ein.
Innerhalb Europas steht er sogar ganz vorn. Laut WirtschaftsWoche ist Merz der bestbezahlte Regierungschef innerhalb der EU-Staaten und belegt im weltweiten Ranking Platz sechs. Ob Amtsgehalt oder Millionenvermögen, in beiden Kategorien spielt der Sauerländer in einer eigenen Liga, während sein Selbstbild als Mann der Mitte umstritten bleibt. Vergleichbar mit Merz an der EU-Spitze steht auch Ursula von der Leyen, deren Einkommen ebenfalls regelmäßig für Diskussionen sorgt.

